Einleitung FC –59

 

S.Y. Flying Clipper Dreimast Toppsegelschoner ca. 659 DW-t, ca. 60 m lang und mit knapp 40 m hohen Masten gehörte sie in den Jahren von 1950-1960 zur Rederei AB Clipper Line in Malmö. Damals wurde sie als Schulfahrzeug benutzt, aber im Sommer 1959 war sie an den amerikanischen Verlagsmann und Vorsitzenden der Encyclopedia Brittannica, William Benton zum segeln im Mittelmeer vermietet. Einer seiner Gäste an Bord war Präsidenkandidat Adlai Stevenson.

 

Die Deckbesatzung rekrutierte von der schwedischen Marineausbildungsorganisation innerhalb der Marine. Diese war aufgebaut von 14 Männern, 12 Aspiranten, welche gleichzeitig ihren dritten Ausbildungssommer vollendeten und von 2 Vormännern. Die Aspiranten waren 16-18 Jahre alt, die Vormänner etwas älter. Die Kompetenzen waren gut, wenn wir von Navigation und Seemannsfähigkeiten sprechen und auch wenn wir sehr belesen waren, was Schiffsmasten, Segel und Tauwerk betraf, es hatte jedoch niemand Erfahrung im Segeln mit so großen Segelschiffen.

 

Wir gingen am 10. Juni in Göteborg an Bord und verließen den Hafen am Morgen darauf. Den Hafen von Malmö erreichten wir am 15. Juni und von dort aus ging es nach Kiel und über den Kielkanal nach Cuxhafen. Von da aus fuhren wir zur Nordsee, danach durch den englischen Kanal über Biskaya und raus auf den Atlantik und so erreichten wir am 29. Juni Lissabon. Dort nahmen wir unsere Passagiere auf und deren erster Hafen wurde Sevilla – wir Fuhren hoch nach Guadalquivir! Danach machten wir uns zuerst auf nach Gibraltar und obendrein passierten wir 24 weitere Häfen im westlichen Mittelmeer bis zur Endstation Livorno im Norden der italienischen Westküste.

 

Das war natürlich eine große und einzigartige Erfahrung für uns- als Deckbesatzung. Erlebnisse unter Segeln in dieser Dimension waren selten und sind sehr schwer zu beschreiben. Das Mittelmeer hingegen heutzutage hat viele unserer Breitengrade geschafft zu erleben und zu genießen. Unser Dasein an Bord war ebenso authentisch für Segelschiffahrt und das verstärkte in hohem Maß Erlebnisse: Wir wohnten in Mannschaftsräumen, 14 Mann auf 12 Quadratmeter und arbeiteten Schicht für Schicht, d.h. gründen von
2 Arbeitsgruppen Backbords- und Steuerbords-schicht, welche sich einander über 24 Stunden ablösten.
Das bedeutet eine Arbeitswoche mit 84 Stunden plus Überstunden, wenn das Kommando kam „alle Mann an Deck.”

 

Während des Segelns schrieb ich ein Tagebuch/Loggbuch und fotografierte/filmte wenn sich die passende Gelegenheit fand. Die Erinnerungen vom Sommer –59 haben in den all den Jahren im großen und ganzen auf Eis gelegen, aber mein Sohn Jonas, er ist Fotograf und Buchdesigner, suchte vor einigen Jahren meine Bilder heraus, er war so enthusiastisch und fand wir sollten ein Buch produzieren, um dieses Bilderlebnis mit anderen Menschen zu teilen. Im letzten Jahr arbeiteten wir damit. So hat auch einer meiner Schiffskameraden, Gunnar Stenström dazu beigetragen, zum Teil im Abschlußdialog mit Reflektionen und zuerst mit Texten aus unseren Tagebüchern, Kunstwerken und Dokumentation der Schiffahrtsgeschichte.

 

Staffan Wettre